Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern

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Grundsätzliches

In das Inventar sind grundsätzlich alle Vermögensgegenstände und Schulden aufzunehmen. Für bestimmte Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, gibt es eine Ausnahme. Es handelt sich hier um geringwertige Wirtschaftsgüter im Sinne des § 6 Abs. 2 EStG. Diese können im Jahr der Anschaffung oder Herstellung voll abgeschrieben werden.

Allgemein gilt:

  • Geringwertige Wirtschaftsgüter sind abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die selbstständig nutzbar sind.
  • Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten dürfen einen bestimmten Höchstbetrag nicht überschreiten.

Den Begriff der geringwertigen Wirtschaftsgüter definiert der § 6 Abs. 2 EStG:

Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder der nach Absatz 1 Nummer 5 bis 6 an deren Stelle tretende Wert von abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind, können im Wirtschaftsjahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage des Wirtschaftsguts oder der Eröffnung des Betriebs in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag (§ 9b Absatz 1), oder der nach Absatz 1 Nummer 5 bis 6 an deren Stelle tretende Wert für das einzelne Wirtschaftsgut 410 Euro nicht übersteigen. Ein Wirtschaftsgut ist einer selbständigen Nutzung nicht fähig, wenn es nach seiner betrieblichen Zweckbestimmung nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens genutzt werden kann und die in den Nutzungszusammenhang eingefügten Wirtschaftsgüter technisch aufeinander abgestimmt sind. Das gilt auch, wenn das Wirtschaftsgut aus dem betrieblichen Nutzungszusammenhang gelöst und in einen anderen betrieblichen Nutzungszusammenhang eingefügt werden kann. Wirtschaftsgüter im Sinne des Satzes 1, deren Wert 150 Euro übersteigt, sind unter Angabe des Tages der Anschaffung, Herstellung oder Einlage des Wirtschaftsguts oder der Eröffnung des Betriebs und der Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder des nach Absatz 1 Nummer 5 bis 6 an deren Stelle tretenden Werts in ein besonderes, laufend zu führendes Verzeichnis aufzunehmen. Das Verzeichnis braucht nicht geführt zu werden, wenn diese Angaben aus der Buchführung ersichtlich sind.

Geringwertige Wirtschaftsgüter sind also abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind. Wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten 150 € nicht übersteigen, kann der Gegenstand sofort als Aufwand erfasst werden (Verbrauchsfiktion). Von 150,01 € bis 410 € spricht man von geringwertigen Wirtschaftsgütern. Es handelt sich immer um Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag. Es sind also immer Nettowerte.

Typische geringwertige Wirtschaftsgüter:

  • Werkzeuge
  • Telefone
  • Schreibgeräte
  • Kaffeemaschinen
  • Datenträger
  • Kleinmöbel

Einkommensteuer-Richtlinien
H 6.13
Selbständige Bewertbarkeit bzw. Nutzungsfähigkeitein:

Die selbständige Nutzungsfähigkeit verbundener oder gemeinsam genutzter Wirtschaftsgüter ist kein Kriterium bei der Beurteilung der selbständigen Bewertbarkeit. Ein selbständig bewertbares Wirtschaftsgut liegt vor, wenn es in seiner Einzelheit von Bedeutung und bei einer Veräußerung greifbar ist. Ob es auch selbständig genutzt werden kann, hängt neben dem Zweck, den zwei oder mehrere bewegliche Sachen gemeinsam zu erfüllen haben, vor allem vom Grad der Festigkeit einer eventuell vorgenommenen Verbindung ( § 93 BGB ), dem Zeitraum, auf den eine eventuelle Verbindung oder die gemeinsame Nutzung angelegt sind, sowie dem äußeren Erscheinungsbild ab. Erscheinen die beweglichen Gegenstände danach für sich genommen unvollständig oder erhält ein Gegenstand ohne den oder die anderen gar ein negatives Gepräge, ist regelmäßig von einem einheitlichen Wirtschaftsgut auszugehen; Entsprechendes gilt für Sachen, die in einen unbeweglichen Gegenstand eingebaut werden (>BFH vom 5.9.2002 - BStBl II S. 877).
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Unter H 6.13 finden Sie zur Klärung von Zweifelsfällen ein ABC der selbständig nutzungsfähigen Wirtschaftsgüter und ein ABC der nicht selbständig nutzungsfähigen Wirtschaftsgüter.

PC mit Peripheriegeräten

Im ABC der nicht selbständig nutzungsfähigen Wirtschaftsgüter steht:
EDV-Kabel nebst Zubehör zur Vernetzung einer EDV-Anlage: Kabel, die als Verlängerung der Verbindung der Peripheriegeräte mit der Zentraleinheit genutzt werden, sind zwar selbständig bewertungsfähig, nicht jedoch selbständig nutzungsfähig und somit keine geringwertigen Wirtschaftsgüter (> BFH vom 25.11.1999 - BStBl 2002 II S. 233),
...
Peripheriegeräte einer PC-Anlage; dies gilt nicht für so genannte Kombinations-Geräte und für externe Datenspeicher (> BFH vom 19.2.2004 - BStBl II S. 958),

Bauteil selbständig nutzbar
Tower (Zentraleinheit) nein
Monitor nein
Tastatur nein
Maus nein
Kabelsatz nein
Drucker nein
Kombinationsgerät (Multifunktionsgerät)
Drucker kombiniert mit Scanner, Kopierer, Fax
ja
Notebook/ Laptop ja
Tablet-PC ja

Würden Tower, Monitor, Tastatur und Maus als ein einheitliches Wirtschaftsgut zusammenfasst, könnte der Neukauf eines Monitors als Erhaltungsaufwand gebucht werden. Nach dem BFH-Urteil vom 15.07.2010 (III R 70/08) ist es nicht möglich, den Computer zusammen mit den Peripheriegeräten als eine Einheit zu betrachten.
Bundesfinanzhof Urteil vom 15.7.2010, III R 70/08
Auszug aus den Entscheidungsgründen:

Bei Beurteilung der Frage, ob mehrere Gegenstände zu einem einheitlichen Wirtschaftsgut zusammenzufassen oder als Einzel-Wirtschaftsgüter zu beurteilen sind, kommt es darauf an, ob sie auch nach einer etwaigen Verbindung ihre selbständige Bewertbarkeit behalten (Senatsurteil vom 28. September 1990 III R 178/86, BFHE 162, 177, BStBl II 1991, 187). Entscheidend ist, ob das Wirtschaftsgut nach der allgemeinen Verkehrsanschauung in seiner Einzelheit von Bedeutung und bei einer Veräußerung greifbar ist (s. Senatsurteile vom 28. September 1990 III R 77/89, BFHE 164, 156, BStBl II 1991, 361, und vom 15. Juli 2004 III R 6/03, BFHE 206, 513, BStBl II 2004, 1081). Hiernach ist ein Drucker als eigenständiges Wirtschaftsgut anzusehen (s. BFH-Urteile vom 10. März 2004 VI R 19/02, BFH/NV 2004, 1386, sowie in BFH/NV 2004, 1527; Verfügung der Oberfinanzdirektion Magdeburg vom 16. April 2002 S 2354 - 5 - St 222, Finanz-Rundschau 2002, 697). Der Austausch des Druckers im Streitfall führte daher nicht zu sofort abziehbarem Erhaltungsaufwand (a.A. Schmidt/Drenseck, EStG, 29. Aufl., § 9 Rz 175 "Computer"). Auch eine Behandlung als nachträgliche Anschaffungskosten für ein Wirtschaftsgut "Computeranlage" scheidet aus.
....
Aufwendungen für abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter, die selbständig nutzbar sind, können im Jahr der Anschaffung in voller Höhe als Werbungskosten abgesetzt werden, wenn die Aufwendungen für das einzelne Wirtschaftsgut 410 EUR nicht übersteigen (§ 6 Abs. 2 Satz 1 EStG a.F. i.V.m. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 EStG). Ein Wirtschaftsgut ist nicht selbständig nutzbar, wenn es nach seiner betrieblichen Zweckbestimmung nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern genutzt werden kann und die in den Nutzungszusammenhang eingeführten Wirtschaftsgüter technisch aufeinander abgestimmt sind (§ 6 Abs. 2 Satz 2 EStG). Dies trifft auf die einzelnen Komponenten einer PC-Anlage zu, die nach ihren technischen Eigenschaften auf ein Zusammenwirken angelegt sind und nach einer Trennung von den übrigen Geräten regelmäßig nicht selbständig genutzt werden können (BFH-Urteil in BFHE 205, 220, BStBl II 2004, 958).

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Sammelpostenmethode (Poolabschreibung)

Als Alternative besteht noch die Möglichkeit der Bildung eines Sammelpostens, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten für das einzelne Wirtschaftsgut 150 €, aber nicht 1.000 € übersteigen. Dabei handelt es sich auch um geringwertige Wirtschaftsgüter. Der Sammelposten ist im Wirtschaftsjahr der Bildung und den folgenden vier Wirtschaftsjahren mit jeweils einem Fünftel gewinnmindernd aufzulösen (Pauschalabschreibung über 5 Jahre).

Die Sammelpostenmethode definiert der § 6 Abs. 2a EStG:

Abweichend von Absatz 2 Satz 1 kann für die abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind, im Wirtschaftsjahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage des Wirtschaftsguts oder der Eröffnung des Betriebs ein Sammelposten gebildet werden, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag (§ 9b Absatz 1), oder der nach Absatz 1 Nummer 5 bis 6 an deren Stelle tretende Wert für das einzelne Wirtschaftsgut 150 Euro, aber nicht 1 000 Euro übersteigen. Der Sammelposten ist im Wirtschaftsjahr der Bildung und den folgenden vier Wirtschaftsjahren mit jeweils einem Fünftel gewinnmindernd aufzulösen. Scheidet ein Wirtschaftsgut im Sinne des Satzes 1 aus dem Betriebsvermögen aus, wird der Sammelposten nicht vermindert. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder der nach Absatz 1 Nummer 5 bis 6 an deren Stelle tretende Wert von abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind, können im Wirtschaftsjahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage des Wirtschaftsguts oder der Eröffnung des Betriebs in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag (§ 9b Absatz 1), oder der nach Absatz 1 Nummer 5 bis 6 an deren Stelle tretende Wert für das einzelne Wirtschaftsgut 150 Euro nicht übersteigen. Die Sätze 1 bis 3 sind für alle in einem Wirtschaftsjahr angeschafften, hergestellten oder eingelegten Wirtschaftsgüter einheitlich anzuwenden.

Der Abschreibungszeitraum von 5 Jahren bei der Sammelpostenmethode gilt auch dann, wenn das geringwertige Wirtschaftsgut vor Ablauf der fünf Jahre aus dem Anlagevermögen herausfällt (Verkauf, Entnahme oder Unbrauchbarkeit). Der Abschreibungszeitraum gilt unabhängig von der tatsächlichen Nutzungsdauer.

Die zwei nebeneinander existierenden Alternativen versteht man nur, wenn man sich die Änderungen im Zeitverlauf anschaut.

Änderungen der Grenzen für geringwertige Wirtschaftsgüter

Zeitraum Erfassung als Aufwand (Verbrauchsfiktion) Sofortabschreibung für geringwertige Wirtschaftsgüter Poolabschreibung
bis 2001 Kosten bis 100 DM Kosten von 100,01 DM bis 800 DM  - - - 
2002 bis 2007 Kosten bis 60 € Kosten von 60,01 € bis 410 €  - - - 
2008 bis 2009 Kosten bis 150 €  - - -  Kosten von 150,01 € bis 1.000 €
ab 2010 Kosten bis 150 € Kosten von 150,01 € bis 410 € Kosten von 150,01 € bis 1.000 €

Mit der Unternehmenssteuerreform 2008 wurden neue Abschreibungsregeln für geringwertige Wirtschaftsgüter eingeführt.

  • Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis 150 € mussten sofort als Betriebsausgaben abgesetzt werden (§ 6 Abs. 2 EStG 2008)
  • Für Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten von 150,01 € bis 1.000 € war ein Sammelposten zu bilden, der über 5 Jahre mit jeweils 20% gewinnmindernd aufgelöst werden musste (§ 6 Abs. 2a EStG 2008).

Mit dem Gesetz zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums (Wachstumsbeschleunigungsgesetz) wurden die Regeln für die Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern erneut geändert.
Ab dem 01.01.2010 gilt folgendes:

Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis 150 € netto Sofortabschreibung oder planmäßige Abschreibung nach gewöhnlicher Nutzungsdauer.
Hier gilt ein wirtschaftsgutbezogenes Wahlrecht. Es kann also für jedes Wirtschaftsgut individuell gewählt werden. Die Wahl ist unabhängig davon, wie die geringwertigen Wirtschaftsgüter über 150 € bewertet werden.
Anschaffungs- oder Herstellungskosten von 150,01 € bis 410 € netto Sofortabschreibung oder planmäßige Abschreibung nach gewöhnlicher Nutzungsdauer oder Sammelposten mit Abschreibung über 5 Jahre.
Anschaffungs- oder Herstellungskosten von 410,01 € bis 1.000 € netto Sammelposten mit Abschreibung über 5 Jahre oder planmäßige Abschreibung nach gewöhnlicher Nutzungsdauer.

Das Wahlrecht Sammelposten kann nur einheitlich für alle Wirtschaftsgüter des Wirtschaftsjahres mit Aufwendungen von mehr als 150 € und nicht mehr als 1.000 € in Anspruch genommen werden (wirtschaftsjahrbezogenes Wahlrecht). Es ist damit nicht zulässig, bestimmte selbständig nutzbare Wirtschaftsgüter bis 410 € sofort abzuschreiben und andere in den Sammelposten einzustellen. Wird kein Sammelposten gebildet, sind alle selbständig nutzbaren Wirtschaftsgüter über 410 € planmäßig abzuschreiben.

Ab Anschaffungs- oder Herstellungskosten von 150,01 € besteht eine besondere Aufzeichnungspflicht.

Zur bilanzsteuerlichen Behandlung sog. geringwertiger Wirtschaftsgüter nach § 6 Absatz 2 EStG und zum Sammelposten nach § 6 Absatz 2a EStG existiert ein BMF-Schreiben vom 30.September 2010.

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