Die Kapitalflussrechnung

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Grundsätzliches

Die Kapitalflussrechnung soll die Mittelherkunft und Mittelverwendung der liquiden Mittel darstellen. Sie ist eine Cashflow-Rechnung, die einen Zahlungsmittelfluss abbildet und keine Kapitalflüsse.

Die Kapitalflussrechnung zeigt die Zahlungsströme der Abrechnungsperiode lückenlos auf. Sie ist damit eine Finanzierungsrechnung, die alle liquiden Geldein- und Geldausgänge einer Periode darstellt.

Damit ergibt sich folgende Übersicht:

Jahresabschlussrechnung Betrachtete Größen
Bilanz (Bestandsrechnung) Vermögen (Aktiva; Mittelverwendung bzw. Investierung) und Kapital (Passiva; Mittelherkunft bzw. Finanzierung)
Gewinn- und Verlustrechnung (Bewegungsrechnung) Aufwendungen (Betrieblich verursachte Eigenkapitalminderungen) und Erträge (Betrieblich verursachte Eigenkapitalmehrungen)
Kapitalflussrechnung (Bewegungsrechnung) Auszahlungen (Abgang liquider Mittel pro Periode) und Einzahlungen (Zugang liquider Mittel pro Periode)

 
Hier finden Sie eine Übersicht zu den Grundbegriffen der Finanzbuchhaltung und der Kostenrechnung (Auszahlung, Einzahlung, Ausgaben, Einnahmen, Aufwand, Ertrag, Kosten und Leistung).

Die Kapitalflussrechnung soll die Zahlungsströme (Cashflows) der Berichtsperiode transparent machen. Sie liefert damit wichtige Informationen bzgl. der Finanzlage, insbesondere der liquiden Mittel und der Veränderung der Kapital- und Vermögensstruktur eines Unternehmens. Die Kapitalflussrechnung ist eine Bewegungsrechnung, die zeitraumbezogen die Veränderungen der Finanzmittelbestände durch Ein- und Auszahlungen zeigt.

Wenn sich die Kapitalflussrechnung nur auf die Bewegungen der einzelnen Bilanzpositionen beschränkt, spricht man von einer Beständedifferenzenbilanz. Diese wird durch Umstellungen zu einer Bewegungsbilanz.

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Rechtliche Grundlagen

§ 297 Abs. 1 HGB:

Der Konzernabschluss besteht aus der Konzernbilanz, der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung, dem Konzernanhang, der Kapitalflussrechnung und dem Eigenkapitalspiegel. Er kann um eine Segmentberichterstattung erweitert werden.

Damit ist die Kapitalflussrechnung ein Bestandteil des Konzernabschlusses.

§ 264 Abs. 1 Satz 2 HGB:

Die gesetzlichen Vertreter einer kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaft, die nicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet ist, haben den Jahresabschluss um eine Kapitalflussrechnung und einen Eigenkapitalspiegel zu erweitern, die mit der Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und dem Anhang eine Einheit bilden; sie können den Jahresabschluss um eine Segmentberichterstattung erweitern.

Cashflow-Rechnung

Der Deutsche Rechnungslegungs Standard Nr. 21 (DRS 21) behandelt die Kapitalflussrechnung. Zur Darstellung und Ermittlung der Kapitalflußrechnung wird dort festgelegt:

Ausgangspunkt der Kapitalflussrechnung ist der Finanzmittelfonds zu Beginn der Periode. In der Kapitalflussrechnung sind die Zahlungsströme getrennt nach der laufenden Geschäftstätigkeit, der Investitions- und der Finanzierungstätigkeit darzustellen. Hierbei entspricht die Summe der Cashflows aus diesen drei Tätigkeitsbereichen der Veränderung des Finanzmittelfonds in der Berichtsperiode, soweit diese nicht auf wechselkurs-, konsolidierungskreis- oder sonstigen bewertungsbedingten Änderungen beruhen.

Damit wird die Kapitalflussrechnung in drei Cashflows gegliedert:

  • Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit (auch Operativer Cashflow)
  • Cashflow aus der Investitionstätigkeit
  • Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit

Dort findet sich auch folgende Definition zu Cashflows:

Saldo aus Einzahlungen und Auszahlungen (Netto-Zahlungsstrom) einer Periode aus der laufenden Geschäftstätigkeit, der Investitions- und der Finanzierungstätigkeit.

Der Cashflow ist damit ein Überschuss der betrieblichen Einzahlungen über die betrieblichen Auszahlungen.

Zur Darstellung des Cashflow gibt es folgende Festlegungen:

Die Darstellung des Cashflows aus der laufenden Geschäftstätigkeit kann direkt oder indirekt erfolgen. Die Cashflows aus der Investitions- und der Finanzierungstätigkeit werden immer direkt dargestellt.

Nach der indirekten Methode wird das Periodenergebnis um nicht zahlungswirksame Aufwendungen und Erträge und um Bestandsänderungen bei Posten des Nettoumlaufvermögens (ohne Finanzmittelfonds) sowie um alle Posten, die Cashflows aus der Investitions- oder der Finanzierungstätigkeit sind, korrigiert.

Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit

Anwendung der direkten Methode:

1.   Einzahlungen von Kunden für den Verkauf von Erzeugnissen, Waren und Dienstleistungen
2. - Auszahlungen an Lieferanten und Beschäftigte
3. + Sonstige Einzahlungen, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind
4. - Sonstige Auszahlungen, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind
5. + Einzahlungen aus außerordentlichen Posten
6. - Auszahlungen aus außerordentlichen Posten
7. -/+ Ertragsteuerzahlungen
8. = Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit

Anwendung der indirekten Methode:

1.   Periodenergebnis (Konzernjahresüberschuss/-fehlbetrag einschließlich Ergebnisanteile anderer Gesellschafter)
2. +/- Abschreibungen/Zuschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens
3. +/- Zunahme/Abnahme der Rückstellungen
4. +/- Sonstige zahlungsunwirksame Aufwendungen/Erträge
5. -/+ Zunahme/Abnahme der Vorräte, der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Aktiva, die nicht der Investitions- oder der Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind
6. +/- Zunahme/Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Passiva, die nicht der Investitions- oder der Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind
7. -/+ Gewinn/Verlust aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens
8. +/- Zinsaufwendungen/Zinserträge
9. - Sonstige Beteiligungserträge
10. +/- Aufwendungen/Erträge aus außerordentlichen Posten
11. +/- Ertragsteueraufwand/-ertrag
12. + Einzahlungen aus außerordentlichen Posten
13. - Auszahlungen aus außerordentlichen Posten
14. -/+ Ertragsteuerzahlungen
15. = Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit

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Cash Flow aus der Investitionstätigkeit

Die Darstellung erfolgt immer nach der direkten Methode.

1.   Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des immateriellen Anlagevermögens
2. - Auszahlungen für Investitionen in das immaterielle Anlagevermögen
3. + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Sachanlagevermögens
4. - Auszahlungen für Investitionen in das Sachanlagevermögen
5. + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Finanzanlagevermögens
6. - Auszahlungen für Investitionen in das Finanzanlagevermögen
7. + Einzahlungen aus Abgängen aus dem Konsolidierungskreis
8. - Auszahlungen für Zugänge zum Konsolidierungskreis
9. + Einzahlungen aufgrund von Finanzmittelanlagen im Rahmen der kurzfristigen Finanzdisposition
10. - Auszahlungen aufgrund von Finanzmittelanlagen im Rahmen der kurzfristigen Finanzdisposition
11. + Einzahlungen aus außerordentlichen Posten
12. - Auszahlungen aus außerordentlichen Posten
13. + Erhaltene Zinsen
14. + Erhaltene Dividenden
15. = Cashflow aus der Investitionstätigkeit

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Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit

Die Darstellung erfolgt immer nach der direkten Methode.

1.   Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen von Gesellschaftern des Mutterunternehmens
2. + Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen von anderen Gesellschaftern
3. - Auszahlungen aus Eigenkapitalherabsetzungen an Gesellschafter des Mutterunternehmens
4. - Auszahlungen aus Eigenkapitalherabsetzungen an andere Gesellschafter
5. + Einzahlungen aus der Begebung von Anleihen und der Aufnahme von (Finanz-) Krediten
6. - Auszahlungen aus der Tilgung von Anleihen und (Finanz-) Krediten
7. + Einzahlungen aus erhaltenen Zuschüssen/Zuwendungen
8. + Einzahlungen aus außerordentlichen Posten
9. - Auszahlungen aus außerordentlichen Posten
10. - Gezahlte Zinsen
11. - Gezahlte Dividenden an Gesellschafter des Mutterunternehmens
12. - Gezahlte Dividenden an andere Gesellschafter
13. = Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit

Berechnung des Finanzmittelfonds

1.   Zahlungswirksame Veränderungen des Finanzmittelfonds (Summe der Cashflows der einzelnen Tätigkeitsbereiche)
2. +/- Wechselkurs- und bewertungsbedingte Änderungen des Finanzmittelfonds
3. +/- Konsolidierungskreisbedingte Änderungen des Finanzmittelfonds
4. + Finanzmittelfonds am Anfang der Periode
5. = Finanzmittelfonds am Ende der Periode
Kapitalflussrechnung
Soll Haben
Auszahlungen
aus laufender Geschäftstätigkeit
 
Einzahlungen aus laufender Geschäftstätigkeit
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit
Auszahlungen
aus der Investitionstätigkeit
 
Einzahlungen aus der Investitionstätigkeit
Cashflow aus der Investitionstätigkeit
Auszahlungen
aus der Finanzierungstätigkeit
 
Einzahlungen aus der Finanzierungstätigkeit
Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit
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