Degressive Abschreibung

Anzeige

Grundsätzliches

Seit dem 01.01.2011 wurde die degressive Abschreibung für alle neuen beweglichen Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens wieder abgeschafft (§ 7 Abs. 2 EStG). Es gilt wieder die Rechtslage des Jahres 2008. Die geometrisch-degressive Abschreibung ist damit nur noch für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögensnach erlaubt, die nach dem 31.12.2008 und vor dem 01.01.2011 angeschafft wurden.

Die Abschreibungsmöglichkeiten des Anlagevermögens wirken sich auf die steuerliche Belastung der Unternehmen aus. Je schneller Wirtschaftsgüter abgeschrieben werden können, desto niedriger ist die steuerliche Bemessungsgrundlage und somit die steuerliche Belastung der Unternehmen.

Bei der degressiven Abschreibung handelt es sich um eine Abschreibung mit fallenden Jahresbeträgen. Degressive Abschreibung bedeutet, dass die Abschreibungsbeträge von Jahr zu Jahr kleiner werden. Die degressive Abschreibung gibt es als:

  • Geometrisch-degressive Abschreibung
    Die jährlichen Abschreibungsbeträge fallen um einen gleichbleibenden Prozentsatz und bilden damit eine geometrische Reihe.
    Wenn von degressiver Abschreibung gesprochen wird, meint man in der Regel die geometrisch-degressive Abschreibung, da sie handels- und steuerrechtlich zulässig ist.
  • Arithmetisch-degressive Abschreibung (digitale Abschreibung)
    Die jährlichen Abschreibungsbeträge fallen um gleichbleibende Beträge. Handelsrechtlich zugelassen. Steuerrechtlich nicht zugelassen.
  • Absetzung in fallenden Staffelsätzen
    Für Gebäude konnte bis zum Jahr 2005 die Abschreibung in fallenden Staffelsätzen gewählt werden (Alternative zur linearen Abschreibung). Die sog. degressive Gebäude-AfA (§ 7 Abs. 5 EStG) ist ab dem 01.01.2006 für "Neufälle" abgeschafft worden.

Geometrisch-degressive Abschreibung

Es existieren handels- und steuerrechtliche Vorschriften zur degressiven Abschreibung.
Der § 253 Abs. 3 HGB schreibt vor:

Bei Vermögensgegenständen des Anlagevermögens, deren Nutzung zeitlich begrenzt ist, sind die Anschaffungs- oder die Herstellungskosten um planmäßige Abschreibungen zu vermindern. Der Plan muss die Anschaffungs- oder Herstellungskosten auf die Geschäftsjahre verteilen, in denen der Vermögensgegenstand voraussichtlich genutzt werden kann.
...

Damit fällt die degressive Abschreibung unter die Abschreibungsmethoden für eine planmäßige Abschreibung im Sinne des § 253 HGB.

Der § 7 Abs. 2 EStG schreibt vor:

Bei beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die nach dem 31. Dezember 2008 und vor dem 1. Januar 2011 angeschafft oder hergestellt worden sind, kann der Steuerpflichtige statt der Absetzung für Abnutzung in gleichen Jahresbeträgen die Absetzung für Abnutzung in fallenden Jahresbeträgen bemessen. Die Absetzung für Abnutzung in fallenden Jahresbeträgen kann nach einem unveränderlichen Prozentsatz vom jeweiligen Buchwert (Restwert) vorgenommen werden; der dabei anzuwendende Prozentsatz darf höchstens das Zweieinhalbfache des bei der Absetzung für Abnutzung in gleichen Jahresbeträgen in Betracht kommenden Prozentsatzes betragen und 25 Prozent nicht übersteigen. Absatz 1 Satz 4 und § 7a Absatz 8 gelten entsprechend. Bei Wirtschaftsgütern, bei denen die Absetzung für Abnutzung in fallenden Jahresbeträgen bemessen wird, sind Absetzungen für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung nicht zulässig.

Die geometrisch-degressive Abschreibung ist damit im Prinzip für alle beweglichen Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens zulässig. Diese Abschreibung ist aber eine der beliebtesten Stellschrauben der deutschen Finanzpolitik. Sie wird also immer mal wieder eingeführt und abgeschafft.
Reformen des § 7 EStG:

Anschaffungsjahr X-fache der linearen AfA Maximalsatz Lohnt sich ab folgender Nutzungsdauer
30.07.1981 bis einschließlich 2000
(Verbesserung der degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter von 25 % auf 30 %)
2. Haushaltsstrukturgesetz
Dreifache des linearen AfA-Satzes 30 % 4 Jahre
2001 bis 2005
(Senkung der degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens von höchstens 30 % auf höchstens 20 %)
Reform der Unternehmensbesteuerung
Zweifache des linearen AfA-Satzes 20 % 6 Jahre
2006 und 2007
(Anhebung der degressiven AfA für bewegliche Wirtschaftsgüter auf 30 % befristet für 2 Jahre
Gesetz zur steuerlichen Förderung von Wachstum und Beschäftigung
Dreifache des linearen AfA-Satzes 30 % 4 Jahre
2008
Abschaffung der degressiven Abschreibung.
Unternehmenssteuerreformgesetz 2008
nicht zulässig; abgeschafft
2009 und 2010
Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für 2009 und 2010.
Konjunkturpaket I
Zweieinhalbfache des linearen AfA-Satzes 25 % 5 Jahre
ab 2011 nicht zulässig; abgeschafft
Anzeige

Der Abschreibungssatz bei der Linearen Abschreibung wird folgendermaßen berechnet:

Abschreibungssatz bei der Linearen Abschreibung

Das Ergebnis wird mit dem Wert aus der zweiten Spalte der Tabelle multipliziert. Der Maximalsatz aus Spalte 3 darf aber nicht überschritten sein.

Bei einem Anlagegut mit einer Nutzungsdauer von 6 Jahren ergibt sich folgender steuerlich maximal zulässiger degressiver Abschreibungssatz:

Abschreibungssatz bei der Linearen Abschreibung = 16,67 % (100 / 6)
Anschaffung im Jahr 2007: 30 % (3 * 16,67 % liegt über Maximalsatz)
Anschaffung im Jahr 2010: 25 % (2,5 * 16,67 % liegt über Maximalsatz)

Bei einem Anlagegut mit einer Nutzungsdauer von 10 Jahren ergibt sich folgender steuerlich maximal zulässiger degressiver Abschreibungssatz:

Abschreibungssatz bei der Linearen Abschreibung = 10 % (100 / 10)
Anschaffung im Jahr 2007: 30 % (3 * 10 %)
Anschaffung im Jahr 2010: 25 % (2,5 * 10 %)

Bei einem Anlagegut mit einer Nutzungsdauer von 20 Jahren ergibt sich folgender steuerlich maximal zulässiger degressiver Abschreibungssatz:

Abschreibungssatz bei der Linearen Abschreibung = 5 % (100 / 20)
Anschaffung im Jahr 2007: 15 % (3 * 5 %)
Anschaffung im Jahr 2010: 12,5 % (2,5 * 5 %)

Die gültigen AfA-Tabellen finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums der Finanzen (BMF).

Die degressive Abschreibung bietet den Vorteil, dass in den ersten Jahren der Nutzung eine höhere Abschreibung in Anspruch genommen werden kann. Damit mindert sich in diesen Jahren die Steuerbelastung.

Beispiel zur geometrisch-degressiven Abschreibung

Es wurde ein neuer PKW für einen Nettobetrag von 60.000 € im Januar 2010 angeschafft.
Personenkraftwagen haben nach der AfA-Tabelle für die allgemein verwendbaren Anlagegüter eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 6 Jahren.

Abschreibungssatz bei der Linearen Abschreibung = 16,67 % (100 / 6)
Der steuerlich maximal zulässige degressive Abschreibungssatz beträgt 25% (2,5 * 16,67 % liegt über Maximalsatz)

Jahr Bezugswert der Abschreibungsberechnung (Buchwert) Abschreibungssatz Abschreibungsbetrag Restbuchwert (Ende des Jahres)
1 60.000,00 € 25 % 15.000,00 € 45.000,00 €
2 45.000,00 € 25 % 11.250,00 € 33.750,00 €
3 33.750,00 € 25 % 8.437,50 € 25.312,50 €
4 25.312,50 € 25 % 6.328,13 € 18.984,37 €
5 18.984,37 € 25 % 4.746,09 € 14.238,28 €
6 14.238,28 € 25 % 3.559,57 € 10.678,71 €

Eine Vollabschreibung ist während der Nutzungsdauer mit dieser Methode nicht möglich. Entweder wird am Ende der Nutzungsdauer ein relativ hoher Restbuchwert auf einmal abgeschrieben oder während der Nutzungsdauer zur linearen Abschreibung übergegangen.
Der § 7 Abs. 3 EStG lässt das ausdrücklich zu:

Der Übergang von der Absetzung für Abnutzung in fallenden Jahresbeträgen zur Absetzung für Abnutzung in gleichen Jahresbeträgen ist zulässig. In diesem Fall bemisst sich die Absetzung für Abnutzung vom Zeitpunkt des Übergangs an nach dem dann noch vorhandenen Restwert und der Restnutzungsdauer des einzelnen Wirtschaftsguts. Der Übergang von der Absetzung für Abnutzung in gleichen Jahresbeträgen zur Absetzung für Abnutzung in fallenden Jahresbeträgen ist nicht zulässig.

Der Restbuchwert (Zeitpunkt des Übergangs von der degressiven zur linearen Abschreibung) wird gleichmäßig auf die Restnutzungsdauer verteilt. Für unser obiges Beispiel wäre der Übergang im vierten Jahr zu empfehlen. Der Abschreibungsbetrag bei linearer Abschreibung wäre in diesem Jahr größer als bei fortgeführter degressiver Abschreibung. Damit wird das Anlagegut voll abgeschrieben.

Anzeige

Jahr Degressive Abschreibung Übergang von der degressiven zur linearen Abschreibung
Bezugswert der Abschreibungsberechnung (Buchwert) Abschreibungssatz Abschreibungsbetrag Restbuchwert (Ende des Jahres) Abschreibungsbetrag Restbuchwert (Ende des Jahres)
1 60.000,00 € 25 % 15.000,00 € 45.000,00 € 10.000,00 €  
2 45.000,00 € 25 % 11.250,00 € 33.750,00 € 9.000,00 €  
3 33.750,00 € 25 % 8.437,50 € 25.312,50 € 8.437,50 €  
4 25.312,50 € 25 % 6.328,13 € 18.984,37 € 8.437,50 € 16.875,00 €
5 18.984,37 € 25 % 4.746,09 € 14.238,28 € 8.437,50 € 8.437,50 €
6 14.238,28 € 25 % 3.559,57 € 10.678,71 € 8.437,50 € 0 €

Anzeige

Da der Unternehmer den Zeitpunkt des Wechsels selbst bestimmen kann, ergibt sich ein großer Gestaltungsspielraum für die Steuerpolitik des Unternehmens. In Verlustjahren kann z. B. die degressive Abschreibung fortgeführt werden, um zu einem späteren Zeitpunkt eine höhere Abschreibung zu realisieren.

Arithmetisch-degressive Abschreibung (digitale Abschreibung)

Bei der arithmetisch-degressiven Abschreibung fallen die jährlichen Abschreibungsbeträge immer um den gleichen Betrag (Degressionsbetrag). Der Degressionsbetrag ist der Quotient aus Anschaffungskosten und der Summe der geplanten Nutzungsjahre (Summe der in der Nutzungsdauer enthaltenen Jahresziffern = arithmetische Reihe).

Schreibt man auf einen Restwert von Null ab, wird von digitaler Abschreibung gesprochen. Die Abschreibungssumme im letzten Nutzungsjahr entspricht damit dem jährlichen Differenzbetrag. Die digitale Abschreibung ist die häufigste Form der arithmetisch-degressiven Abschreibung.

Der Degressionsbetrag ist der Quotient aus Anschaffungskosten und der Summe der geplanten Nutzungsjahre

Bei einer Nutzungsdauer von 6 Jahren ergibt sich:
1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 = 21 (arithmetische Reihe)
Bei Anschaffungskosten von 42.000 € ergibt sich ein Degressionsbetrag von:
2.000 € (42.000 € / 21)

Um den jährlichen Abschreibungsbetrag zu erhalten, wird der Degressionsbetrag von 2.000,00 € mit den Jahresziffern in umgekehrter (fallender) Reihe multipliziert (also mit der jeweiligen Restnutzungsdauer).

Jahr Bezugswert der Abschreibungsberechnung Abschreibungssatz Abschreibungsbetrag Restbuchwert (Ende des Jahres)
1 42.000 € 6 * 2.000 € oder
6/21 der Anschaffungskosten
12.000 € 30.000 €
2 42.000 € 5 * 2.000 € oder
5/21 der Anschaffungskosten
10.000 € 20.000 €
3 42.000 € 4 * 2.000 € oder
4/21 der Anschaffungskosten
8.000 € 12.000 €
4 42.000 € 3 * 2.000 € oder
3/21 der Anschaffungskosten
6.000 € 6.000 €
5 42.000 € 2 * 2.000 € oder
2/21 der Anschaffungskosten
4.000 € 2.000 €
6 42.000 € 1 * 2.000 € oder
1/21 der Anschaffungskosten
2.000 € 0 €

Die Degression ist geringer als bei der geometrisch-degressiven Abschreibung. Handelsrechtlich ist die arithmetisch-degressive (digitale) Abschreibung zulässig, da sie den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht. Steuerlich ist das Verfahren nicht zulässig.

Absetzung in fallenden Staffelsätzen

Der § 7 Abs. 5 EStG gibt die steuerrechtlichen Regeln vor (sog. degressive Gebäude-AfA). Ist für Gebäude, die auf Grund eines nach dem 31.12.2005 gestellten Bauantrags hergestellt oder auf Grund eines nach dem 31.12.2005 rechtswirksam abgeschlossenen obligatorischen Vertrags angeschafft worden sind, nicht mehr möglich.

Beispiel für eine Staffel (Jahr 2004 bzw. 2005):

  • im Jahr der Fertigstellung und in den folgenden 9 Jahren: jeweils 4 Prozent (zusammen 40 Prozent)
  • in den darauf folgenden 8 Jahren: jeweils 2,5 Prozent (zusammen 20 Prozent)
  • in den darauf folgenden 32 Jahren: jeweils 1,25 Prozent (zusammen 40 Prozent)

Hier gibt es wenig zu berechnen, da die Prozente (Staffelsätze) im § 7 Abs. 5 EStG festgelegt sind.

Anzeige

© 2009-2016 A.Liebig - Impressum - Kontakt - Datenschutz - Inhaltsverzeichnis (Sitemap) - Buchführungslexikon