Wie werden Kreditzinsen buchhalterisch behandelt?

Während Privatpersonen die Kreditzinsen einfach nur bezahlen müssen, stehen Selbstständige und Unternehmer mitunter vor einer zusätzlichen Aufgabe. Denn haben sie den Kredit für geschäftliche Zwecke aufgenommen, können sie ihn teilweise steuerlich absetzen. Jedoch muss er dafür korrekt gebucht werden und nur gewisse Teile können überhaupt abgesetzt werden. Aber was ist eigentlich mit Privatpersonen? Können auch private Kredite in der Buchhaltung eine Rolle spielen? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Kreditzinsen

Abbildung 1: Kreditzinsen sind ein Bereich, bei dem sich gerade Selbstständige schwertun. Was lässt sich betrieblich absetzen und wie ist das Ganze buchhalterisch zu behandeln?

 

Wann gehören Kreditzinsen in die Buchhaltung?

Natürlich kann zwar jeder Kredit ins Haushaltsbuch oder in die heimische Buchhaltung eingetragen werden, doch um diesen steuerlich geltend zu machen oder ihn tatsächlich buchhalterisch zu erfassen, bedarf es Voraussetzungen:

  • Betrieblich - der Kredit muss betrieblich genutzt werden. Das betrifft natürlich überwiegend Unternehmer, die das Geld zur Anschaffung von Materialien, Anlagen oder auch zum Aufbau des Fuhrparks nutzen.
  • Vertraglich - der Kredit muss vertraglich geregelt sein. Leiht ein Familienmitglied einfach so Geld und gibt es hierüber keinerlei Aufzeichnung, ist dies problematisch.

Die meisten Unternehmer arbeiten sicherlich mit einem Buchhaltungsprogramm. Dieses macht es relativ einfach, den Kredit und die Verbindlichkeiten korrekt zu buchen. Generell sind mindestens zwei Buchungskonten notwendig, um das Darlehen zu buchen: "Bank" und "Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten". Welches Verbindlichkeitskonto gewählt werden kann, hängt von der Dauer des Darlehens ab. Hier unterscheiden die Programme zwischen "bis zu einem Jahr", "bis zu fünf Jahren" und "über fünf Jahre". Und die Zinsen? Hier gilt Folgendes:

  • Zinsaufwand an Bank - die Zinsen, die für den Kredit fällig werden, können nicht einfach mit auf das normale Verbindlichkeitskonto gebucht werden. Stattdessen müssen sie auf das extra Zinskonto geschoben werden. Der Buchungssatz lautet: "Zinsaufwand an Bank".

Je nach Art des Darlehens wird die Rückzahlung natürlich unterschiedlich gebucht. Behält die Bank ein Disagio ein, wird der Einbehalt als Zinsaufwand gebucht und auf die Dauer des Darlehens umgelegt. Handelt es sich beispielsweise um einen Wert von 2.000,00 Euro bei einem Darlehen von zehn Jahren, gibt es eine jährliche Buchung von "Zinsaufwand 200,00 an Disagio 200,00 Euro".

Bei betrieblichen Krediten können die - korrekt gebuchten - Kreditzinsen steuerlich geltend gemacht werden. Wer sich allgemein unsicher ist, wie er mit einem Kredit verfahren soll, lässt sich lieber von einem Steuerberater beraten. Das trifft natürlich auch auf die Anschaffungen zu, die mit dem Kredit getätigt wurden. Hier gibt es natürlich wieder Abschreibungspotenzial.

Wie sieht es mit privaten Krediten aus?

Ein Privatmann nimmt einen Kredit auf, kauft sich etwas und setzt die Zinsen des Kredits in der nächsten Steuererklärung ab? Das mag unglaublich klingen, ist aber durchaus möglich. Wer nun aber ermutigt einen Kredit aufnehmen möchte, sollte noch einmal auf den Boden zurückkommen. Denn freilich taugt nicht jeder Kredit hierzu und es müssen ganz besondere Gründe bestehen, damit das Finanzamt die Absetzung anerkennt:

  • Baukredit - Eigenheimbesitzer müssen tapfer sein, denn auf selbst genutzte Immobilien trifft dieser Punkt nicht zu. Die Kreditzinsen dürfen ausschließlich abgesetzt werden, wenn es sich um eine zu vermietende Immobilie handelt. Auch bei Immobilien, die verkauft werden, können die Zinsen als Werbungskosten genutzt werden. Die Ausgaben laufen jedoch nur unter Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung, wenn der Kredit dazu genutzt wurde, die Vermietung weiterhin aufrecht zu erhalten. Das funktioniert beispielsweise mit Krediten zur Dach- und Fassadenmodernisierung. Grundsätzlich sollten Vermieter ein gesondertes Konto nutzen, welches für den Kredit verwendet wird. In diesem Fall kann das Finanzamt die Zinsen zuordnen.
  • Zweitwohnung - nein, hier ist nicht das Ferienhaus gemeint. Wer jedoch beruflich an einem anderen Ort tätig ist und dort eine Wohnung anmietet und einrichtet, kann die Zinsen eines hierzu verwendeten Kredits steuerlich geltend machen. Der Privatkredit muss jedoch für Miete, Nebenkosten, Renovierungen, Umzugskosten und Maklerprovision genutzt werden sein. Sollte ein Mietstreit anfallen, können auch Gerichts- oder Anwaltskosten als Kreditgrund gelten.
  • Auto - sobald ein Auto angeschafft wird, das beruflich genutzt wird, lassen sich die Zinsen für den Autokredit steuerlich absetzen.

Hinweis: Für die steuerliche Absetzbarkeit ist es egal, ob ein herkömmliches aufgenommen wird oder man sich für einen Online Kredit ohne Schufa entscheidet. Es geht lediglich darum, dass die Nutzung sich auf einen der oben genannten Gründe bezieht und es entsprechende Unterlagen gibt.


Und was ist bei Krediten für die Steuernachzahlung?

Die meisten Bürger wünschen sich natürlich, dass sie eine Steuerrückzahlung erhalten. Viele Selbstständige kennen das Spiel jedoch eher von der anderen Seite und erhalten eine Nachzahlung, die nicht immer leicht zu bewältigen ist. Da das Finanzamt in der Regel nicht gerade stundungsbereit ist und, wenn sie zustimmen, gewaltige Zinsen erhebt, nimmt so mancher Unternehmer eher einen Kredit auf. Können auch von ihm die Zinsen steuerlich geltend gemacht werden? Nein:

  • Werbungskosten - die Aufnahme eines Kredits zur Tilgung von Steuerschulden fällt in keiner Weise unter die Werbungskosten, daher können die Zinsen hierüber nicht abgesetzt werden.
  • Betriebliche Ausgabe - wenn auch die Steuernachzahlung mit dem Betrieb in Verbindung steht, so sind Steuern keine betrieblichen Ausgaben. Die Kreditzinsen lassen sich daher nicht absetzen.

Zudem ist natürlich zu überlegen, ob die Steuernachzahlung letztendlich den Unternehmer als Privatperson oder das Unternehmen trifft. Gerade Gründer, Kleinunternehmer und Freiberufler reichen häufig nur eine Steuererklärung mit den Einnahmen aus der selbstständigen Tätigkeit ein und werden somit auch als selbstständige Privatperson betrachtet. Der Steuerbescheid mit der Nachzahlung betrifft die natürliche Person und nicht das Unternehmen. Bei der Aufnahme des Kredits handelt es sich daher rein um einen Privatkredit, der unter keinen Umständen unter die Voraussetzungen fällt, die zur Absetzung der Kreditzinsen notwendig sind. Dennoch gibt es einen Lichtblick:

  • Kontoüberziehung - wer keinen eigenen Kredit aufnimmt, sondern die Nachzahlung durch die Ausnutzung des Dispos begleicht und damit dauerhaft im Minus ist, kann die Zinskosten der Überziehung bis zu einer Höhe von 2.050 Euro als Betriebsausgabe geltend machen. Die Eintragung erfolgt in der EÜR unter "übrige Schuldzinsen".
Kreditzinsen

Abbildung 2: Kreditzinsen können eine finanzielle Belastung darstellen.

 

Fazit - nicht immer absetzbar

Die Zinskosten sind nicht grundsätzlich absetzbar. Wird der Privatkredit für berufliche Zwecke oder auch zum Unterhalt eines Mietobjekts genutzt, sollte besonders darauf geachtet werden, dass sämtliche Belege und Nachweise vorliegen.

Bildquellen:
Abbildung 1+2: Pixabay.com © stevepb (Pixabay-Lizenz)

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